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You are here: Home mursurfer Archive 2006 May 20 Tausche Familie
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Tausche Familie

Ansichtssache.

Herr Günter Ramutschnig aus Graz dürfte an einem an die Grenzen des Anstands und guten Geschmacks gehenden Erlebnis a là „Tausche Familie“ interessiert sein. Nur allzu gerne würde er "Schmarotzer, Grüne und Gutmenschen" einladen, eine Woche in seinem Wohnblock zu verbringen, um ihnen ihr Gutmenschentum auszutreiben und sie zu bekennenden Xenophobikern und Krone-Lesebriefe-Schreibern zu machen.

"Zu was falsche Integrations- und auch Zuwanderungspolitik führt, kann man am besten im Bezirk Graz-Gries, und da besonders im Bereich Kernstockgasse 20, 22, 24 beobachten. Im Umkreis meiner Wohnung befinden sich vier Ausländerlokale, von denen drei als Vereinslokale geführt werden, sowie ein Kebablokal, das laut Auskunft der Anlagenbehörde keine Konzession hat. Fast jede Nacht kommt es zu massiven Lärmbelästigungen oft bis in die Morgenstunden. Überlaute orientalische Musik und Schreierei in und vor den Lokalen sind an der Tages- oder besser Nachtordnung.

Die Polizei ist nach Anruf immer zur Stelle, kann aber nicht viel mehr machen, als die Lärmerreger abzumahnen. Hier wären Behörden gefordert. Die Vereinspolizei, die anscheinend jede noch so dubiose und wurmstichige Vereinsgründung bewilligt, verweist auf die Bundespolizei, die Gewerbebehörde fühlt sich nicht zuständig, da sie bei Vereinen keinen Zugriff hat […] Man fühlt sich als Fremder im eigenen Land. Die meisten Randalierer befinden sich ab Mittag bis in die Morgenstunden des nächsten Tages in uns vor den Vereinslokalen, gehen offenbar keiner Arbeit nach. Als Gegenleistung stören sie unseren Lebensablauf. Schmarotzer; unsere gewählten Volksvertreter schauen zu. Zuständige Politiker, Grüne und sogennante Gutmenschen sollen einmal nur eine Woche in unserem Häuserbloch wohnen, ich bin sicher, sie würden ihre Ansichten grundsätzlich ändern“.

Günter Ramutschnig, Graz aus: „Neue Kronen-Zeitung“ vom 13.05.2006

Posted by tatjana on 2006-05-20 08:45

Verfasser braucht auch Medium

Posted by Claudia at 2006-05-20 09:57

Einen derartigen Leserbrief zu verfassen ist eine Sache, ihm auch ein Medium zu geben eine andere. Es gibt viele Tageszeitungen mit konstruktiven Leserbriefen die vielmehr eine Diskussion auf breiterem Feld wert sind als der angeführte. Eine schönes Wochenende, Claudia

aus "aktuellem" anlass

Posted by tatjana at 2006-05-20 11:26

Aus gegebenem Anlass steht der veröffentlichte Leserbrief exemplarisch für ein weitverbreitetes Phänomen: der zunehmende Rechtsextremismus aufgrund von unbegründeten Ängsten, lärmenden Ausländern (ich würd gern mal tauschen. bei mir brüllen die Österreicher. und mir wärs lieber, es wären ausländer, dann würd ich den Stuss wenigstens nicht verstehen), dubiosen Integrationsstudien, etc.. dies war aber bestimmt nicht der letzte leserbrief, der in der rubrik "ansichtssache" im Spaß-Ressort (whirlpool)veröffentlicht wird.

recherchieren vor dem reagieren

Posted by Claudia at 2006-05-20 12:33

Ich weiß zwar nicht, wie sich die Rubriken bei mursurfer.at definieren, aber wenn das "Spaß-Ressort" ein Auffangbecken für derartige Wortmeldungen ist, dann sollten die Jungjournalisten ihrerseits nicht wieder mit stark persönlichen Wahrnehmungen oder Vorstellungen reagieren, sondern im konkreten Fall zum Beispiel einfach die angegeben Plätze aufsuchen und mit ein paar Fotos eine tolle Story daraus machen. Das Netz ist voll mit "Ich glaube ..."-Bogs, "Alles ist ...."-Blogs. mursurfer.at hat mit dem großem Team durchaus das Zeug, auch ein bisschen in die Tiefe zu gehen. Also, zeigt Mut und geht ein bisschen unter die Oberfläche und überrascht mit Engagenment beim Schreiben, was man aus so einem Leserbrief alles rausholen kann! Claudia

Verteufelung?

Posted by Bernd das Brot at 2006-05-21 10:52

Zu diesem Leserbrief gibt es aus Sicht beider Lager einiges zu sagen. Allerdings - die wahrheit liegt, wie so oft, eher mittig. Natürlich ist es leicht, Ausländer zu verdammen. Speziell solche, die nicht demütig und stumm im Keller hocken, sondern sich erdreisten, ihr Leben zu leben wie sie es gewohnt sind. Genauso leicht ist es, Leute zu verdammen, die aus Angst (woraus jede Aggression entsteht) diese Leute auszugrenzen versuchen. Die Politik, die diesbezüglich seit Jahrzehnten in Österreich betrieben wird, trägt die Hauptverantwortung an diesen Konflikten. Seit den Sechzigern und Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts (Gott, bin ich alt!) holen wir Ausländer ins Land, um die Arbeiten, für die wir uns mittlerweile zu gut sind (Häuslputzen, Ziegelschupfen etc....) für uns zu verrichten. In Gegenden, in denen das Wohnen billig ist, pferchen wir sie (sie sich) zusammen und liefern sie inländischer Geschäftemacherei aus. Massenquartiere, Substandardwohnungen. Mehr können die Leute sich nicht leisten. Wie auch? Wir zahlen ihnen für diese Tätigkeiten ja nicht allzu viel, das wäre ja noch schöner! Dadurch entstehen in den Städten Viertel, die man nach amerikanischer Tradition durchaus Little Istanbul, little Belgrad oder auch little Sofia nennen könnte. Sich in einer derartigen Situation zu integrieren ist eigentlich völlig unmöglich. Uns selbst würde es nicht anders ergehen. Folgendes Szenario: Viele Österreicher müssen das Land verlassen (weil z.B, ein grenznahes AKW zu randalieren beginnt oder etwa Karl Moik aus der Pension zurückkehrt) und versuchen in anderen Ländern Unterschlupf zu finden. Sie gehen nicht alleine dorthin, da ja etliche flüchten müssen. Im fremden Land wohnen sie in Massenquartieren und Substandard usw..... Sie bleichen logischerweise hauptsächlich unter sich, denn was sollte sie zu anderem Verhalten motivieren? Sie werden ausgegrenzt und diskriminiert aufgrund seltsamer Gewohnheiten (paniertes Schweinefleisch, Alkohol, Heurigenlieder, Urinieren auf der Strasse). Haben Sie schon mal eine Horde Österreicher im Ausland beobachtet? Wenn sich hier die Politik nicht endlich (ein frommer Wunsch, ich weiß) zu effizientem Handeln entschließt, wird dieser Konflikt niemals enden und wir stehen erst am Anfang einer schlimmen Zeit. Da wir allerdings im Zeitalter der Idioten leben (was im Besonderen für Politiker jedweder Coleur gilt) ist die Hoffnung auf Verbesserung eine Utopie.

Am Besten ist, wir graben ein Loch und setzen uns rein. Ein sehr tiefes Loch!

in diesem Sinne

Euer Bernd

propaganda

Posted by Anonymous User at 2006-05-24 21:43

Den Leserbrief hab ich schon vor Monaten einmal gelesen. Ist mir aufgefallen, weil ich etwa 3 Jahre lang an der Adresse gewohnt habe. Die angebliche Lärmbelästigung durch Lokalbesucher ist mir aber nicht aufgefallen.

flaschenpost für freischwimmer

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