Den Hunger auf Kunst und Kultur stillen
„Geld darf weder über die Qualität von Kunst entscheiden, noch über den Zugang zu ihr“, so Kurt Flecker, Landesrat für Soziales, Kultur und Arbeit (SP). Seit 21. März haben Kulturinteressierte, die weniger als 850 Euro im Monat verdienen, Anspruch auf den so genannten Kulturpass. Damit wird zum Beispiel Arbeitslosen, Mindestpensionisten oder Flüchtlinge der kostenlosen Zugang zu Kunst in der Steiermark ermöglicht. Motto des Projekts: "Hunger auf Kunst und Kultur".
Die steirische Kulturinitiative "CULTURE UNLIMITED" kümmert sich um die Koordination. Die Gratis-Karten werden mit Spendengeldern von Firmen, Privatpersonen oder Institutionen finanziert. Jede Kultureinrichtung ist für die Finanzierung der Kulturpässe selbst verantwortlich. Werden nicht genügend Sponsoren gefunden, gewährleistet das Land die nötige finanzielle Unterstützung.
An der Initiative haben sich bereits 36 steirische Kulturinstitutionen und 25 soziale Einrichtungen beteiligt: die Styriarte, die Diagonale, das Grazer Opernhaus, der steirische herbst, die Caritas, Volkshilfe oder die Vinzigemeinschaft. Der Kulturpass ist bei den beteiligten sozialen Einrichtungen und Betreuungsstellen wie dem AMS unter Vorlegung eines Lichtbildausweises erhältlich.
"Das Projekt wurde sehr gut angenommen. Innerhalb von sechs Wochen wurden in der Steiermark 1000 Kulturpässe ausgestellt", weiß Isabella Holzman von Culture Unlimited, Mitinitiatorin des Projekts.
Das Initiative "Hunger auf Kunst und Kultur" ist eine Idee des Wiener Schauspielhauses, die 2003 in Kooperation mit der Armutskonferenz ins Leben gerufen wurde. In Wien hat sich das Modell bereits drei Jahre bewährt. In Salzburg wurde der Kulturpass am 1. Jänner 2006 einführt.
Kritische Stimmen im steirischen Kulturamt behaupten, das kostenlose Angebot minimiere die Wertschätzung für derartige Veranstaltungen. Man solle demnach die Karten nicht gratis ausstellen, sondern einen geringeren Eintrittspreis dafür verlangen. "Wir haben bislang keine Bestätigung für diese Annahme", so Holzmann, "und freuen uns über etliche positive Rückmeldungen."
Auch die Bewohner des VinziDorfes haben seit März die Möglichkeit, gratis zu Kulturveranstaltungen zu gehen. „Bislang wurde das Angebot kaum in Anspruch genommen“, so Michael Bachler, Koordinator der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg. „Die Bewohner wissen über die Initiative Bescheid, haben jedoch jahrelang auf der Straße gelebt und sind von der Oper noch weit entfernt. Wir lassen die Bewohner frei entscheiden und akzeptieren sie so, wie sie sind.“
Recent Comments