Transsilvanischer Frühling
In Sibiu herrscht Aufbruchsstimmung. Um die mittelalterlichen Gebäude ranken sich Baugerüste, im Zentrum hat gerade ein Jugendgästehaus eröffnet. Unter die einheimische Bevölkerung mischen sich Touristen mit Fotoapparaten und Stadtführern. Die Bank Austria hat eine Filiale in der Altstadt, nicht weit davon ist eine Raiffeisenbank.
Noch vor wenigen Jahren war die Innenstadt heruntergekommen, trostlose Plattenbauten aus der Zeit des Kommunismus umzingelten sie. Mit dem EU-Beitritt und dem Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2007 hat sich einiges verändert. So wie 2003 in Graz hat das Kulturhauptstadtjahr der Stadt einen immensen Entwicklungsschub gebracht. Heute ist Sibiu wieder sehenswert, immer öfter trauen sich auch Pauschaltouristen und Familien in das Herz Rumäniens.
Sibiu ist ein guter Ausgangspunkt für Touren durch das junge EU-Mitgliedsland. Und da bietet sich einiges an, auch für junge Reisende. Transsilvanien, oder auf Deutsch Siebenburgen, trägt deutlich die Spuren der Siebenbürger Sachsen, wer auf Draculas Spuren wandeln will, kann sein Schloss besuchen. Und auch nach Bukarest ist es nicht weit, dort steht das zweitgrößte Gebäude der Welt, der marmorne Volkspalast des größenwahnsinnigen Diktators Ceauşescu.
Im Osten, wo die Donau ins Schwarze Meer mündet, erstreckt sich ein Delta mit zahlreichen Inseln, die nur von einigen Fischern russischen Ursprungs bewohnt werden. Die Karpaten laden zum Wandern ein, vorausgesetzt man hat keine Angst vor Bären. Und gerade für junge Touristen wichtig: Hier liegen die Preise noch deutlich unter dem Niveau Österreichs.
Wer genug davon hat, durch die Gassen und Museen der Stadt zu streunen oder die Türme zu erklimmen, findet an jeder Ecke ein Cafe oder einen gemütlichen Weinkeller, ohne sich vor der Rechnung fürchten zu müssen. Campingplätze und Hostels sind ebenfalls preiswert.
Die Bewohner von Sibiu sind noch nicht verwöhnt von Touristenströmen und vielleicht deswegen durchwegs freundlich und hilfsbereit. Da kann es schon passieren, dass die Polizei verirrte Touristen mit Blaulicht heimgeleitet, anstatt sie um einige Euro zu erleichtern.
Mit Deutsch kommt man hier oft noch weiter als mit Englisch. 1910 hatte es noch 250 000 deutschsprachige Siebenbürger gegeben. Heute sind es lediglich 15 000, das Durchschnittsalter liegt bei 69.
Wer Rumänien in seiner Ursprünglichkeit bereisen will, bevor es von Touristenströmen und Mc Donalds besetzt wird, sollte sich beeilen. Noch sieht man Pferdefuhrwerke und traditionelle Bauerndörfer, noch ist man als Tourist ein Exot. Lange wird es nicht mehr dauern, bis auch große Reiseveranstalter den Reiz Transsilvaniens entdecken.
Anreise:
Von Wien aus gehen seit heuer mehrmals wöchentlich Flüge direkt nach Sibiu, Austrian Airlines fliegt ab ca. 440€ hin und retour.
Billiger ist es mit dem Auto. Von Graz aus fährt man am besten in mehreren Etappen, insgesamt ca 11 Stunden Fahrzeit. Ein InterRail Ticket kostet für die Zone H (Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Serbien&Montenegro) 195 €.
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